„Für mich war es heute gefühlt ein Sieg, aber für das Team eher eine Niederlage“, meinte Jan Hugger (Team Lotto Kern-Haus) nach seinem zweiten Platz am Sonntag beim ersten Rennen zur „Müller – Die lila Logistik Rad-Bundesliga 2022“ in Bruchsal.

Nach 148,8 anspruchsvollen Kilometern auf dem extrem hügeligen und winkeligen 12-Kilometer-Rundkurs stand nach knapp vier Stunden und 15 Minuten das Bundesliga-Auftakt-Podest fest. Hinter Sieger Jon Knolle (Saris Rouvy Sauerland Team) belegten der Schwenninger Hugger und Teamkollege Joshua Huppertz mit einem Rückstand von 13 bzw. 22 Sekunden die Plätze zwei und drei.

„Das war absolut eine bärenstarke Leistung von Jan. Er hätte den Sieg verdient gehabt“, lobte Teamchef Florian Monreal seinen Schützling trotz des verpassten Sieges. „Mit dem zweiten und dritten Platz ist uns der Saisonauftakt geglückt“, sagte er, denn das rheinland-pfälzische Kontinentalteam war mit nur fünf Fahrern ins Rennen gegangen. Die weiteren Fahrer der Equipe aus Weitersburg waren international im Einsatz.

 

Bereits in der zweiten der zwölf Runden über den Truppenübungsplatz der Bundeswehr und des Golfclubs konnte sich ein Duo aus den Topteams absetzen. Der Belgier Abram Stockman (Saris Rouvy Sauerland) und Huggers Teamkollege Jan Kuhn fuhren zeitweise bis zu vier Minuten Vorsprung heraus. In der neunten Runde verschärfte „Lotto Kern-Haus“ das Tempo im Hauptfeld, nachdem klar war, dass Kuhns Kräfte an der Spitze nicht bis ins Ziel reichen würden, und sprengte das Feld in kleinere Gruppen. Das Ausscheidungsfahren begann. In der zehnten Runde musste Kuhn reißen lassen. Auch Abram Stockman wurde später gestellt. In der drittletzten Runde lösten sich Lotto Kern-Haus-Fahrer Pierre-Pascal Keup zusammen mit Abrams Zwillingsbruder Michiel Stockman (Sauerland) und übernahm kurzfristig die Spitze. Schließlich ging vorn eine rund 17 Mann starke Spitzengruppe auf die letzte Runde, auf der Lotto Kern-Haus und das zahlenmäßig stärker vertretene Team aus dem Sauerland mehrfach im Wechsel attackierten. Es war der 23-jährige Hugger, dem die erfolgreichste Attacke gelang. Ihm folgte Jon Knolle. Der junge Schwenninger fuhr an der letzten Welle ein kleines Loch heraus, das Knolle jedoch in der Abfahrt wieder „flicken“ konnte und dabei direkt mit hohem Speed an Hugger vorbeizog. Der Vorsprung war zwar klein, reichte aber, um auf den letzten Metern mit 13 Sekunden voraus als Sieger durchs Ziel zu jagen und Hugger in Obergrombach auf Rang zwei zu verweisen.

"Wir sind mannschaftlich megagut gefahren“, resümierte der Drittplatzierte Joshua Huppertz. Natürlich sei zu spüren gewesen, dass sein Team mit drei Mann weniger als die Sauerländer gestartet war: „Das merkt man natürlich im Finale. Da Jan Kuhn aus der Spitzengruppe zurückfiel, waren wir gezwungen, hinterher zu fahren. Während Sauerland nur hintendrauf gelegen hat, haben wir uns vorher schon die Lampen ausgeschossen“, gab der Lotto Kern-Haus-Kapitän bei radsport-news.com zu Protokoll, während sein „Adjudant“ Jan Hugger diktierte: "Ich persönlich kann mit dem Ergebnis zufrieden sein, es war für mich eine lange Zeit ohne Rennen. Klar, man fährt Radrennen, um zu gewinnen. So bin ich natürlich auch ein Stück weit enttäuscht. Knolle hat es auch clever gemacht, er ist mit Überspeed von hinten an mir vorbeigeschossen, dann war für mich nichts mehr zu machen. Mit dem dezimierten Kader zwei Mann auf dem Podest zu haben, das ist schon solide, auch wenn es unser Anspruch ist, zu gewinnen". Von den rund 140 gestarteten Akteuren erreichten nur 72 das Ziel.

Text: uhu/BDR

Fotos: uhu/Team Lotto Kern-Haus/Reichert