Vorhaben umgesetzt: Auf Pleiten, Pech und Pannen zum Saisoneinstieg ließ der Schwenninger Radprofi Jan Hugger jetzt die erste Podestplatzierung 2023 folgen. Der zweite Platz beim selektiven Ostermontag-Klassiker „47.Rund um Schönaich“ tröstete über die Sturzverletzungen beim „63. Salverda Ster van Zwolle“ (UCI 1.2) Anfang März in den Niederlanden, über eine lange Erkältungsphase und schließlich über das unglückliche Aus nach Defekt beim niederländischen Etappenrennen „Olympia‘s Tour“ (2.2) Ende März hinweg.

 

Bild: Gut gelaunt vor dem Start: Open Air-Interview mit Rennsprecher-Koryphäe Freddy Eberle

 

„Schönaich ist DER Württemberg-Klassiker, da will man als Württemberger immer gut fahren“, erklärte 24-Jährige im Ziel der Schönbuchgemeinde. „Das ist mir in den letzten Jahren auch immer ganz gut gelungen. Ich war, glaube ich, in meiner gesamten Laufbahn inklusive Nachwuchs immer unter den besten 15 und jetzt die letzten Jahre auch immer unter den ersten Fünf. Nachdem ich letztes Jahr Dritter war, wollte ich natürlich diesmal gewinnen.“ Doch die Rechnung ging minimal nicht auf.

 

Der „Lotto Kern-Haus“-Fahrer, Deutscher Vizemeister am Berg 2022, startete zusammen mit Teamkollege Jakob Gessner, Bergtrikot-Sieger bei der Deutschland Tour 2022, bei topp Rennwetter auf die 141 Kilometern des anspruchsvollen Kurses. 237 Kontinental-Elite- und Amateur-Fahrer hatten gemeldet. Schon in der ersten von 16 anspruchsvollen Runden trennte sich die Spreu vom Weizen, als es in den rund einen Kilometer vor dem Ziel liegenden und als Scharfrichter bekannten Wolfenberg mit seiner bis zu 14 Prozent-Steigung ging.

 

„Andere Teams waren zahlenmäßig deutlich besser vertreten, aber ich denke, wir haben das Beste daraus gemacht. Wir hatten uns gut aufgeteilt und schauten, dass die Gruppen, die gefährlich werden konnten, von uns besetzt wurden.“ Ganz ging die Rechnung jedoch nicht auf. Zweieinhalb Runden vor Schluss schlich sich Vinzent Dorn (Bike Aid), ein Mountainbiker, den keiner der Favoritenteams beim Straßenrennen auf dem Schirm hatte, fast unbemerkt davon und fuhr zeitweise einen Vorsprung von 50 Sekunden heraus. Mannschaften, die zahlenmäßig, stärker vertreten waren als das „Lotto Kern-Haus“-Duo und teilweise mit zehn Mann agierten, wie „P&S Benotti“, fuhren das Loch jedoch nicht zu. „Das war dann halt auch nicht in unserer Verantwortung, zu zweit hinterherzujagen und wichtige Körner zu verbrennen, um nachher vielleicht leer dazustehen“, so Hugger, der schließlich mit nur noch 19 Sekunden Rückstand auf den Solosieger Dorn als souveräner Zweiter durchs Ziel sprintete. Der vierte Platz von Jakob Gessner rundete das gute Ergebnis für den rheinland-pfälzischen Rennstall in Minibesetzung ab. „Ich bin soweit glücklich. Nachdem ich im letzten Jahr Dritter geworden bin und dieses Jahr Zweiter, muss ich ja im nächsten Jahr dann gewinnen“, zwinkerte der frischgebackene Akademiker, der kürzlich seinen Bachelorabschluss machte und nun das Masterstudium anhängt, lächelnd. Das in Huggers Augen „wunderschöne und vom RSC Schönaich samt aller Helfer und Helferinnen topp organisierte Rennen“ habe viel Spaß gemacht. Was aber vielleicht auch daran lag, dass Freundin Chiara im Ziel mit der Siegerehrung auf ihn wartet, zuständig für Blumen und die Ehrenküsschen.

 

Bild: starkes Team Lotto Kern-Haus-Duo Hugger und Gessner

 

Simon Stiebjahn (Singer Racing Team) beendete den Schönaich-Klassiker auf Platz 43, Andreas Stengele vom RC Villingen kam als 136. in die Wertung, während 96 Fahrer das selektive Rennen nicht beendeten.

 

Text/Fotos: uhu